Diskussion über Parteien mit Zukunft

„Volksparteien müssen mehr iPhone und weniger Blackberry werden“

| 1 Kommentar

Prof. Dr. Udo Zolleis, Honorarprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen, hat in einem Telefoninterview mit der Online-Redaktion der Konrad-Adenauer-Stiftung zwei Gründe genannt, warum Volksparteien weiterhin wichtig für die Bundesrepublik Deutschland sind. Zum einen dienten sie als „verbindende Organisationseinheiten“. Zum anderen komme ihnen damit eine wichtige Rolle als Problemlöser zu. Zolleis empfiehlt den Volksparteien zukünftig „mehr iPhone und weniger Blackberry“ zu sein. Den Parteien müsste es gelingen, einen politischen Rahmen für unterschiedlichste Gruppen zu schaffen. Das setze neue organisatorische Möglichkeiten voraus.
Online-Redaktion: Herr Professor Zolleis, warum sind Volksparteien Ihrer Meinung nach wichtig für das politische System in Deutschland?

Prof. Dr. Udo Zolleis: Es sind zwei Gründe, die Volksparteien einst wichtig für die Bundesrepublik gemacht haben und auch heute noch mächtig machen. Zum einen: Volksparteien sind Massenorganisationen, d.h. sie organisieren ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Sie schaffen Raum und einen festen Rahmen, damit sich Gruppen, und das ist der zweite Punkt, auf mögliche Wege verständigen, wie Politik gestaltet werden kann. In diesem Aushandlungsprozess, der sicherlich auch manchmal Streit beinhaltet, sind aber  doch die Gemeinsamkeiten so stark, dass man sich einigen muss auf bestimmte politische Linien. Volksparteien sind also sowohl verbindende Organisationseinheiten wie auch Problemlöser, die auf allgemeine Akzeptanz stoßen.

Wenn man die aktuelle Situation anschaut, bei der SPD, aber auch bei der CDU und CSU, würden Sie dann sagen, dass diese Parteien den Anspruch einer Volkspartei noch erfüllen?

CDU, CSU, SPD sind Volksparteien. Sie haben auch immer noch den Anspruch Volksparteien zu sein, im Übrigen auch im Gegensatz zu den Grünen beispielsweise, die als Massenpartei gar nicht auftreten, da sie eine viel zu geringe Mitgliedschaft haben. Diesen Zweck erfüllen CDU, CSU und SPD zwar in unterschiedlichem Maße. Die CSU ist zum Beispiel nicht ganz so betroffen vom Mitgliederrückgang wie beispielsweise die Sozialdemokraten. Aber sie haben den Anspruch, ganz unterschiedliche Interessen zusammenzuführen – sicherlich nicht in dem gleichen Maße wie das beispielsweise bei den Sozialdemokraten in den 70er Jahren der Fall war. Das gelingt ihnen eigentlich im westeuropäischen Vergleich immer noch sehr gut.

Jetzt haben Sie aber gerade auch schon das eine Problem angesprochen, dem sich diese Parteien ausgesetzt sehen, nämlich den Mitgliederschwund. Glauben Sie, dass der Charakter der Volkspartei durch parteiinterne Reformprozesse oder auch durch neue Ansätze insgesamt wieder stärker hervorgehoben und damit auch zukunftsfähig gemacht werden kann?

In einem Vortrag vergangene Woche habe ich gehört, dass Volksparteien mehr iPhone werden müssen und weniger Blackberry. Ich finde diese Idee bestechend, denn sie sagt eines aus: Parteien müssen verstärkt einen politischen Rahmen schaffen, wo sich ganz unterschiedliche Gruppierungen wieder treffen können.  Das betrifft vor allen Dingen die sogenannten „Parteiidentifizierer“, d.h. die Unterstützer, die sich nicht als Mitglieder organisieren, sondern eher für politische Projekte zu gewinnen sind und grundsätzlich der Richtung der Volkspartei oder der jeweiligen Volkspartei nahe stehen. Hier müssen sich Volksparteien neue organisatorische Möglichkeiten überlegen.

Hören Sie das Interview mit Prof. Dr. Udo Zolleis mit Klick auf den Mediaplayer.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Ein Kommentar

  1. Nichts hinkt so sehr wie ein Vergleich.

    Statussymbol iPhone gegen Arbeitstier BlackBerry. Woran soll sich die Volkspartei orientieren? Und was ist mit Android? Das neue System zieht derzeit an beiden anderen vorbei. Kein gutes Omen für die CSU….

    Abgesehen davon: Zustimmung.

Hinterlasse einen Kommentar zu Frank Antworten abbrechen

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*