Diskussion über Parteien mit Zukunft

Mein Weg in die Politik und in die CDU

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von Andrea MilzMein politisches Interesse wurde bereits durch den Politikunterricht in der Schule geweckt. Wir sprachen über Menschenrechtsverletzungen in aller Welt und was man als Einzelner dagegen tun kann (Amnesty International (AI) etc.). Mit Hilfe des Lehrers haben wir uns per Brief an Vertreter der Bundesregierung an Aktionen von AI beteiligt, um z.B. Freiheit für politische Gefangene zu erkämpfen oder die Situation in Gefängnissen zu verbessern. Meine Motivation war sehr hoch, insbesondere weil diese Schicksale mit Gesichtern verbunden waren.

Mit 18 Jahren arbeitete ich in den Ferien in einer Marmeladenfabrik im Nachbarort. Da die Mittagspausen sehr verregnet waren, saß ich mit den anderen Ferienkräften zusammen, die genau wie ich ihr Taschengeld aufbessern wollten. Einige von ihnen waren Mitglieder der Jungen Union. Dies hatte zur Folge, dass man um das eine oder andere politische Thema nicht umher kam. Ich war neugierig und wollte mitreden. So fing ich an, mir über meine eigenen Standpunkte Gedanken zu machen. Mal war ich für, mal gegen etwas, manchmal hatte ich überhaupt keine Meinung – es kam immer auf das Thema und auf meinen diesbezüglichen Informationsstand an. Irgendwann in dieser Phase besorgte ich mir die Grundsatzprogramme der Parteien. Ich verglich sie und stellte fest, dass die CDU zu etwa 70 Prozent passte. Das war für mich genug, um in die Partei einzutreten. Wichtig war mir die Grundrichtung: Werte verbunden mit Innovation. Schnell übernahm ich neue Aufgaben in der CDU: Mitglied des Stadtverbandsvorstandes, Pressesprecherin, Leiterin des Teams für die Kommunalwahlen. Alle diese Tätigkeiten standen mir ohne Probleme offen – sie waren ja auch noch nicht mit wirklichem Einfluss verbunden.

Dieser Weg in die Politik wird oft mit „Ochsentour“ bezeichnet, und man kann die Frage stellen, ob nicht ein Seiteneinstieg besser ist. Ich glaube, dass man mit 18 Jahren diesen Weg automatisch geht, weil das Kennenlernen der Parteimitglieder über die Jahre gesehen sehr umfassend möglich ist; die Netzwerke bilden sich da fast von selbst, wenn man überall dabei ist und keine persönlichen Auszeiten nimmt. Man empfindet es auch nicht als mühsam, es macht schließlich Spaß, mitreden und gestalten zu können! Und wie aufregend ist das, wenn man plötzlich im Wahlkampf einem Minister die Hand schüttelt und am nächsten Tag ein Foto in der Zeitung ist. Keines dieser Jahre, keines dieser Ämter möchte ich missen. Der Quereinsteiger ist nicht 18 Jahre alt, sondern hat durch Beruf oder andere Lebenserfahrungen seinen Weg zur Politik gefunden; wenn sie oder er dann auf die etablierten Netzwerke stößt, gibt es manche Hürden und Fettnäpfchen. Andererseits bringen die Neulinge einen Blick von außen auf die Partei mit, der oft hilfreich ist, um den Boden nicht zu verlieren; sie wissen sehr gut, wie Menschen außerhalb der Politik Dinge einschätzen und kommentieren. Fügen sich beide, die alten Hasen und die Frischlinge, zu einer Truppe zusammen, gewinnen beide Seiten.
In meinem Elternhaus gab es keine Bezüge zur Politik. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater waren von meinem Interesse für Politik sowie von meinem Parteieintritt relativ unbeeindruckt. Keiner hatte etwas dagegen, meiner Familie war jedes Engagement willkommen. Niemand redete mir ein, dass Politik besser ist als Sport oder der Mannschaftsgeist wichtiger als ein Einzelerfolg. Es gab keine ideologischen Einschränkungen.
Mein Fazit nach 30 Jahren CDU: Das Staunen ist groß, die Neugierde auch, meinen Namen nenne ich nur einmal. Sich selbst treu bleiben. Keine Lügen. Carpe diem. Mit diesen Worten würde ich mein bisheriges Leben zusammenfassen. Ich bin Teil der Gesellschaft, kein eingeladener Gast, der immer in der ersten Reihe sitzt. Ein Ausstieg aus der CDU ist für mich unvorstellbar, der Ausstieg aus der Politik wird sicher irgendwann kommen.

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