Diskussion über Parteien mit Zukunft

„Darum bin ich Mitglied einer Volkspartei…“ – Dieter Dombrowski

| 1 Kommentar

Als ich 1977 in die CDU eingetreten bin, wusste ich nicht, dass es eine Volkspartei ist. Ich kam gerade frisch aus der Haft in der ehemaligen DDR, war eigentlich im Herzen noch SPD-Fan. Ich kam nach West-Berlin und stellte fest, dass die CDU die einzige Partei war, die sich für die Deutsche Einheit eingesetzt hat. Ich bin in die Partei hineingewachsen und habe entdeckt, was die Volkspartei CDU für ein Schatz ist, weil sie eine Partei für alle ist: für Christen oder Nicht-Christen, für Arbeitnehmer, für Arbeitgeber, für Frauen, für Männer, für Junge, für Alte. Ich bin von Jahr zu Jahr in dieser Partei mehr aufgegangen. Die CDU wird eine wirkliche Zukunft noch vor sich haben. 

Gemeinhin heißt es, die Volkspartei befände sich in einer Krise. Aus Ihrer Sicht: zwei Lösungsvorschläge, wie diese Krise evtl. zu bewältigen ist?

Für die CDU muss gelten, dass das, was wir für richtig halten, was wir den Bürgern anbieten, klar und verständlich ausgesprochen wird. Wir müssen den Mut haben, auch Unbequemes klar anzusprechen. Das ist in einer Gesellschaft, in der jeden Tag drei Umfragen veröffentlicht werden, schwierig. Doch davon darf man sich nicht irritieren lassen. Wir müssen das tun, was notwendig ist. Das Zweite ist, dass die CDU als Volkspartei von sich selber ehrlich überzeugt sein muss. Denn es ist nichts schwieriger, als jemanden von etwas zu überzeugen, was man selbst nicht verinnerlicht hat. Von daher müssen unsere Mitglieder gestärkt werden für diese CDU auf die Straße zu gehen.

 Welche Rolle können die neuen Medien in diesem Zusammenhang spielen?

Die neuen Medien werden eine Krise der Volksparteien, die ich so nicht sehe, weder beschleunigen noch verlangsamen. Ich glaube, das allerwichtigste sind Frauen und Männer, denen man glaubwürdig abnimmt, dass sie für eine Sache stehen. Das geht sowohl althergebracht auf der Straße mit der Zeitung in der Hand, das geht im Gespräch mit dem Nachbarn aber natürlich gehören dazu auch die neuen Medien mit allen  Möglichkeiten, die das Internet biete. Aber: Das Internet birgt auch die  Gefahr zur Anonymisierung. Nichts ist besser als das Gespräch von Mensch zu Mensch.

Dieter Dombrowski, Generalsekretär der CDU Brandenburg

Ein Kommentar

  1. Volkspartei, aber wie? Ein Beitrag aus dem Unterallgäu.
    Politische Inhalte werden primär eben nicht mehr über die Volksparteien, sondern über eine (Tendenz-)Mediokratie transportiert, aber auch subtil diskreditiert oder einfach nicht objektiv zur Darstellung gebracht. So konnte selbst der ausgezeichnete und überaus volks- und bürgernahe CSU-Wahlkampf mit einer parteifreien Sympathieträgerin für das Amt der Landrätin den medialen Flankenschutz für ihren Kontrahenten von den Freien Wählern nicht aufwiegen. Eine von Roman Herzog angeregte Erhöhung der 5% Hürde würde vielleicht politischen Splittergruppen den Zugang in den parlamentarischen Organismus verwehren, aber nicht die ins Lager der Nichtwähler abgewanderten, traditionellen Stammwähler der großen Volksparteien für eine demokratische Bürgerbeteiligung zurückgewinnen. Wäre eine gesetzlich verankerte Wahlpflicht als Preis für unsere all zu selbstverständlich gewordene Freiheit angesichts der fortschreitenden, domestizierten Entpolitisierung breiter Volksschichten ein zu großes Opfer für uns, den Souverän oder sogar eine staatsbürgerliche Bringschuld ? Auch auf den ersten Blick gemein hin als unpopulär geltende Forderungen werden von uns Wählern honoriert, sobald das Vetrauen in die politische Vorbildfunktion unserer Schwesterparteien zurückgewonnen ist. Die NRW-CDU Wahlstrategie der asymetrischen Demobilisierung, um rotgrüne Stammwähler wahlmüde zu machen, ist jedenfalls vorerst gescheitert. “Keine Experimente”, so lautete einst die zentrale Botschaft Konrad Adenauers, welche dem Wähler Stabilität und Sicherheit garantieren konnte. Horst Seehofers Vorstoß bleibt deshalb auch in der Sache berechtigt und kommt zur richtigen Zeit.
    Martin Otti CSU/CSA/PEU Unterallgäu

Hinterlasse einen Kommentar zu Martin Otti Antworten abbrechen

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*