Diskussion über Parteien mit Zukunft

Volksparteien – eine qualitative Studie

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Eine Partei fürs Volk: Durchsetzungskraft und Interessenausgleich

Teile von Öffentlichkeit und Forschung haben schon das Ende der Volksparteien verkündet. Sie argumentieren mit den sinkenden Stimmenanteilen der Volksparteien und einem zunehmenden Mitgliederschwund. Dies beschreibt den Sachverhalt, greift jedoch zu kurz, da es sich um rein quantitative Merkmale von Volksparteien handelt. Für die Diskussion um die Zukunft der Volksparteien ist die emotionale Motivationsstruktur der Wähler mindestens genauso bedeutsam wie die quantitativen Anhaltspunkte. Deshalb hat die Konrad-Adenauer-Stiftung untersucht, wie Volksparteien bewertet werden, was sie für Wähler attraktiv macht und weshalb sich manche Wähler abgewendet haben.

Die Volksparteien werden auch heute noch insgesamt positiv bewertet als Parteien für das Volk, die alle Schichten vertreten. Vorteile von Volksparteien nehmen fast alle Befragten wahr, Nachteile wie z.B. eine erschwerte Kompromissfindung sehen dagegen nur wenige. Bei den Vorteilen stehen vor allem Aspekte der Macht und der Größe der Parteien im Vordergrund. Allein durch die Größe einer Partei wird ihr eine höhere Durchsetzungskraft zugesprochen als den kleineren Parteien, die aus der Sicht der Befragten ihre Vorstellungen aufgrund ihrer geringen Größe nicht umsetzen können: „Mein Vater hat FDP gewählt, ich sag: ‚Was willst du damit?’, Ich sag: ‚Die können dir sowieso nicht helfen, die Kleinen da’“.

Zusätzlich herrscht die Sichtweise vor, dass eine große Partei besser unterschiedliche Interessen abdecken und ausgleichen kann, als dies eine kleinere Partei könnte. Besonders dieser Interessenausgleich wird von den Befragten durchweg befürwortet. Die Vertretung von Einzelinteressen wird dagegen häufig abgelehnt: „man muss versuchen, möglichst viele Bevölkerungsschichten abzudecken“; „Also Einzelinteressen denk ich geht so gar nicht“.

Doch so positiv Volksparteien insgesamt bewertet werden, so unsicher sind die Befragten in der Verwendung des Begriffes „Volkspartei“. Mal werden SPD und CDU/CSU klar als Volksparteien identifiziert, mal subsumieren die Befragten alle im Bundestag vertretenen Parteien unter diesen Begriff. Wieder andere – allerdings eine Minderheit – verneinen die Existenz von Volksparteien. Insgesamt scheinen die Befragten nicht sehr vertraut zu sein mit dem Begriff „Volkspartei“.

Mit einer Volkspartei werden positive Assoziationen verbunden. Größe, Macht, Durchsetzungskraft und Interessenausgleich werden von den Bürgern positiv bewertet und sprechen aus ihrer Sicht für Volksparteien. Was genau eine Volkspartei ist, scheint jedoch vielen Befragten unklar zu sein. Eine Partei, die sich als Volkspartei versteht und mit ihren Vorteilen punkten will, sollte also die einzelnen Vorteile gezielt hervorheben und sich nicht nur auf den Begriff „Volkspartei“ verlassen. [Update: 24. August 2012: Zweiter Teil der Zusammenfassung erschienen: Motive der Wahlentscheidung für Volksparteien: Vererbte Liebe?]

Sabine Pokorny

Hinweis: Bei der qualitativen Studie handelt es sich um einen sogenannten „Pretest“ für eine repräsentative Umfrage. Die GMS Dr. Jung GmbH hat dafür im Zeitraum vom 16. September bis 17. Oktober 2011 39 etwa 60-minütige qualitative Leitfadeninterviews im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung geführt. Für eine bessere wissenschaftliche Fundierung werden dann beide Ergebnisse gemeinsam veröffentlicht.

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