Diskussion über Parteien mit Zukunft

Totgesagte leben doch: Die Volksparteien in den Medien

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Was nicht in den Medien vorkommt, findet auch nicht statt. Das ist eine Binsenweisheit des politischen Marketings. Nach dieser Logik dürften CDU und SPD in den deutschen Leitmedien also nur noch wenig vorkommen. Nach Ansicht etlicher Parteienforscher und auch Journalisten ist ihre Zeit ja angeblich vorbei. Stattdessen wurden die Bündnisgrünen, spätestens nach ihrem in der Tat aufsehenerregenden Wahlerfolgs in Baden-Württemberg, zur „neuen Volkspartei“ hochgeschrieben. Wie widerspiegelt sich das in den deutschen Leitmedien?

Vom 1. Januar 2011 bis zum 4. August berichteten die FAZ und ihre Sonntagsausgabe 179 Mal über die CDU, 149 Mal über die SPD und 91 Mal über Bündnis 90/Die Grünen. Auch im Spiegel nimmt die CDU den Spitzenplatz ein. 29 Beiträge widmeten sich in diesem Zeitraum der CDU, 26 der SPD und 12 den Bündnisgrünen. Die gleiche Reihenfolge in der Welt und der Welt am Sonntag: 96 Beiträge zur CDU, 78 zur SPD und 59 zu den Grünen. Lediglich in der Süddeutschen Zeitung liegt die SPD mit 78 Beiträgen leicht vor der CDU, über die 71 Mal berichtet wurde. Die Grünen folgen in der SZ mit 52 Beiträgen.

Nun ist natürlich mit einer rein quantitativen Auszählung nichts über den Inhalt der Berichterstattung gesagt. Denn auch das ist eine Binsenweisheit: only bad news are good news. In der Tat ist unter den zahlreichen Berichten die eine oder andere „Abrechnung“ eines Parteiveteranen dabei. Dennoch ist bemerkenswert, wie viel Platz die deutschen Leitmedien den beiden Volksparteien nach wie vor einräumen. Langweilig oder gar am Ende können sie jedenfalls nicht sein. Eher im Gegenteil: Allein die Häufigkeit der Berichterstattung zeigt, dass in ihnen um die Zukunftsfähigkeit gerungen und debattiert wird. Das ist ein klares Zeichen von Vitalität. Die Volksparteien leben noch. Sie sind dabei, sich zu verändern, sich auf neue Herausforderungen einzustellen. Aber sie sind und bleiben ein zentraler Akteur im politischen Geschehen der Bundesrepublik.

Karsten Grabow

Ein Kommentar

  1. Lehrreicher Post. Cool, wenn man sowas auch mal aus einem anderen Blickwinkel beschrieben lesen kann.

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