Diskussion über Parteien mit Zukunft

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Sorgen und Nöte der Bürger: Wohlstand und Schulden

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Was bedrückt die Wählerinnen und Wähler? In den Zeiten, in denen die Volksparteien nicht selten als zu selbstbezogen charakterisiert werden ist diese Frage von herausgehobener Bedeutung.

In einer Umfrage wollten wir deshalb einige Themenkomplexe, die in der aktuellen Diskussion eine große Rolle spielen, genauer untersuchen. Relativ einig sind sich die Deutschen darüber, dass Wohlstand und Schuldenabbau eng miteinander verzahnt sind. 71 Prozent stimmen der Aussage zu „Nur wenn in Deutschland die Schulden abgebaut werden, können wir unseren Wohlstand halten“.

Die Mehrheit der Befragten bleibt bei ihrer Meinung, wenn man ein Motiv nennt, das höhere Schulden rechtfertigt. So lehnen 70 Prozent die Aussage ab „ Höhere Schulden sind gut, wenn sie für die Zukunft der Kinder gemacht werden“.

61 Prozent der Befragten machen sich Sorgen, dass sie ihren Lebensstandard in Zukunft einschränken müssen.

Leistungsgerechtigkeit stößt auf große Resonanz, jedoch nicht eine leistungslose Subventionierung oder eine Nivellierung. So sagen 81 Prozent, dass nur der vom Staat unterstützt werden soll, der auch bereit ist, etwas zu leisten. 88 Prozent sind der Ansicht, dass es dem, der mehr leistet, auch deutlich besser gehen sollte. Dies bestätigt die Ergebnisse aus unserer qualitativen Studie zum Thema „Zukunft der Volksparteien“. Viele Befragte maßen in dieser Umfrage Leistungsgerechtigkeit eine herausgehobene Bedeutung zu. Sie äußerten die Ansicht, dass jeder genug zum Leben haben müsse, sofern er bereit sei etwas zu leisten.

Populistische Aussagen finden ebenfalls große Unterstützung. Vor allem die Elitenkritik wird fast einhellig gestützt. So sagen nur 17 Prozent „Die da oben kümmern sich um die Probleme der kleinen Leute“. Mehrheitsfähige Unterstützung findet die Aussage „Heutzutage geht alles so schnell, da kann man als normaler Mensch kaum noch Schritt halten“.

Entgegen immer wieder zu lesender Meinungen haben die Deutschen – zumindest abstrakt gefragt – keine Probleme mit Großprojekten. So sagen 71 Prozent „Wenn wir die Zukunft Deutschlands sichern wollen, muss es auch in Zukunft große Projekte wie Flughäfen, Bahnhöfe oder Autobahnen geben“. Auch wenn diese Ergebnisse – frei nach dem Floriansprinzip – beim konkreten Projekt und persönlicher Betroffenheit gänzlich anders sein mögen, so bleibt dieser Wert doch ungewöhnlich hoch.

Ferner sind 40 Prozent der Ansicht, dass die Volksparteien verhindern, dass sich nur die Interessen Einzelner durchsetzen. Dieser eher geringe Wert kann vermutlich damit erklärt werden, dass der Begriff „Volkspartei“ bei 28 Prozent der Bevölkerung auf Unverständnis oder Unkenntnis triff.

Zwischen den Wählern der verschiedenen Parteien bestehen nur geringe Unterschiede hinsichtlich ihrer politischen Sorgen. Am häufigsten unterscheiden sich die Wähler der Grünen von den Wählern der anderen Parteien. Die Wähler der Grünen sorgen sich weniger um ihren Lebensstandard als der Durchschnitt – ebenso die Wähler der Union. Des Weiteren stimmen die Grünen-Wähler seltener der Aussage zu „Heutzutage geht alles so schnell, da kann man als normaler Mensch kaum noch Schritt halten“. Ferner befürworten sie zu einem geringeren Anteil, dass nur jemand, der bereit ist, etwas zu leisten, vom Staat Unterstützung bekommen soll, und dass es denen, die etwas leisten, besser gehen sollte. Dennoch stimmt diesen Aussagen immer noch die Mehrheit der Grünen-Wähler zu. Großprojekten stehen die Anhänger der Grünen skeptischer gegenüber.

In einem Punkt unterscheiden sich die Wähler der Grünen überraschenderweise nicht von den anderen Wählerschaften: Tempo 30 in Städten befürworten nur 32 Prozent der Grünen-Wähler.

Nichtwähler hingegen sorgen sich überdurchschnittlich oft um ihren Lebensstandard und stimmen mit nur 7 Prozent am wenigsten der Aussage zu „Die da oben kümmern sich um die Probleme der kleinen Leute“.

Auch sozialstrukturell gibt es nur wenige Auffälligkeiten. Das Gefühl, nicht mehr mit der Entwicklung Schritt halten zu können, teilen überdurchschnittlich viele Frauen über 60 Jahre (79 Prozent). Am wenigsten Schwierigkeiten haben damit Männer bis 34 Jahre (59 Prozent) und zwischen 35 und 59 Jahren (57 Prozent). Ebenso haben Frauen häufiger (35 Prozent) Angst, am Abend alleine aus dem Haus zu gehen, als Männer (10 Prozent).

Darüber hinaus gibt es einige wenige Bildungseffekte. Die Sorge um den eigenen Lebensstandard nimmt mit zunehmender Bildung ab, ebenso die Angst, abends alleine aus dem Haus zu gehen. Auch das Gefühl, mit der Entwicklung nicht mehr Schritt halten zu können, sinkt mit steigender Bildung.

Viola Neu/Sabine Pokorny



Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in einer repräsentativen Umfrage unter 2.074 Befragten grundlegende politische Einstellungen und Wahrnehmungsmuster von Politik in Deutschland untersucht. Die telefonische Befragung wurde zwischen dem 17. September und 2. Oktober 2012 von der Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt

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