Eine Diskussion

Medien und Volkspartei

| 1 Kommentar

Die Fragmentierung der politischen Landschaft ist für viele eine unausweichliche Folge abnehmender Milieubindung verbunden mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung in einer postmateriellen Gesellschaft, in der die Grundbedürfnisse erfüllt sind. Eli Pariser spricht in seinem Buch „The Filter Bubble“  vom „single issue voter“, der gezielt im Internet umworben wird. Die Summe der „Gefällt mir“-Klicks führt zu einer Personalisierung des Internets, in der wir nur noch von Freunden umgeben sind und die zu unserem Spiegelbild passende Werbung erhalten. Dieses „Geschäftsmodell“ wird auch auf die Information und auf politische Botschaften übertragen. Pariser: “Imagine a world where all the news you see is defined by your salary, where you live, and where your friends are.”  Wir begegnen im Netz uns selbst und werden nicht mit Dingen konfrontiert, die uns nicht gefallen.

Welche Botschaften und welche Informationen wir erhalten, erkennen nur wir selbst, weil es in diesem Dialog keine Öffentlichkeit gibt und damit auch keine politische Debatte. Eli Pariser sieht in diesem drohenden Verlust an öffentlicher Debatte über politische Inhalte ein gravierendes Defizit. Durch die fehlende Konfrontation mit anderen Meinungen erodiert die politische Kreativität, Interessen dominieren über Gemeinwohl. Gemeinwohl braucht die Agora, den Austausch von Meinungen und die Leidenschaft der öffentlichen Debatte.  Das  personalisierte Internet mit maßgeschneiderten Informationen und politischen Botschaften verändert  die freiheitlich demokratische Grundordnung zur freiheitlich demoskopischen Grundordnung. Qualitätsjournalismus und Leuchttürme der Qualitätsmedien sind auch im Internet gefragt. Qualitätsmedien sind gefordert, der Fragmentierung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Für die Demokratie ist es wichtig, dass es nicht nur sogenannte „special interest“-Medien, sondern auch „digitale Lagerfeuer“ gibt, um die sich die gesamte Gesellschaft versammeln kann. Medien müssen offen für die Debatte sein. Nikolaus Piper von der Süddeutschen Zeitung fordert sogar die Einstellung eines Journalisten, der immer die Gegenposition vertritt.  Die Ausgewogenheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist kein alter Zopf, das allgemeine Informiert-Sein ist die Basis für eine funktionierende Demokratie. Medien bedienen nicht nur eine Konsumentennachfrage, sie sind auch ein Faktor, der Debatte und Prozesse der Meinungsbildung anstößt. Sie haben eine Schlüsselrolle für die Meinungsbildung des mündigen Bürgers.:  citizen value ist wichtiger als consumer value. Volkspartei gedeiht  in einer Medienlandschaft der Vielfalt. Volkspartei ist als Gemeinwohlpartei überlebensfähig und überlebensnotwendig.  Das bedeutet aber auch Führung und nicht Nachlaufen oder Mitlaufen mit dem demoskopischen Mainstream.

Eberhard Sinner, Staatsminister a. D. – Medienpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank an Herrn Sinner für diesen Beitrag!

    Die gesellschaftliche Bedeutung der Massenmedien ist hier sehr gut dargestellt; ich möchte noch ergänzen, dass wir auf die deutsche Medienlandschaft durchaus stolz sein können: Im Gegensatz zu den USA haben wir keine Massenmedien, die Fehlinformationen verbreiten um die eigene Ideologie durchzusetzen. Im Gegensatz zu Großbritannien hören Journalisten hierzulande nur die eigene Mailbox ab. Und im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist es hierzulande problemlos möglich, in den Medien heftige Kritik am Staatsoberhaupt zu äußern.

    Aber das hellste Lagerfeuer schafft noch keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt, wenn die Menschen sich nicht darum versammeln. Medien sind – so gut sie auch sein mögen – immer nur ein Angebot an den Bürger.
    Ich nehme nicht nur qualitative Einbußen einiger Medien wahr, sondern vor allem ein geringer werdendes Interesse, wie es sich vielfach auch in der Wahlbeteiligung wiederspiegelt. Auch diese Problematik – die im Ruf nach „digitalen Lagerfeuern“ implizit mitschwingt – hat eine explizite Erwähnung und Erörterung verdient.

Wir laden herzlich ein, die Beiträge zu kommentieren. Es sei darauf hingewiesen, dass wir uns eine moderierte Kommentarfunktion vorbehalten. Wir sind neugierig auf Ihre Reaktionen und auf eine offene Diskussion mit Ihnen!

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*