Diskussion über Parteien mit Zukunft

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Jauch-Plasberg-Maischberger-Will-Beckmann. Talkshows und politische Gesprächssendungen nahezu an jedem Abend in der Woche. Weil Öffentlichkeit, Medien und Rundfunkräte über das Gerede reden und debattieren, erreichen die Formate eine neue Dimension. Es ist eine Art Meta-Ebene des Polit-Talks entstanden. Besser macht das die Situation aber nicht. Die Diskussion verläuft im Kreis.

Bei einem sind sich alle einig: Das Fernsehpublikum mag Talkshows. Der ARD-Programmdirektor Volker Herres hat es in seinem internen, kritischen Positionspapier Mitte des letzten Jahres kundgetan. Für verschiedene, prominente Online-Angebote sind die Sendungen wichtig genug, um sie am Morgen nach der Ausstrahlung für ein breites Publikum vernichtend zu rezensieren. Die Besprechungen erinnern oft an einen kalkulierten Verriss. Damit wiederholen sie im Grunde das, was sie an den Sendungen kritisieren, denn sie treten auf der Stelle. Und die Zuschauer? Sie nörgeln und jammern über die Inhalte und Umsetzungen der Sendungen, über die immer  gleichen Themen und Gäste – und doch wollen sie am nächsten Tag mitreden können. Sei es beim Bäcker oder beim Friseur. Der Talk nach dem Sonntagskrimi gehört eben einfach irgendwie dazu.

Wenn der Bundestagswahlkampf in diesem Jahr erst richtig Fahrt aufgenommen hat und die finalen Wahlprogramme erschienen sind, werden sich die Parteipolitiker wieder die Talk-Klinke in die Hand geben. Die ARD-Talker werden gemäß ihrem Auftrag und dem Sendungsprofil versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Jauch, Plasberg und Will wollen  und sollen informieren, Maischberger und Beckmann unterhalten. Irgendwie aber wollen alle beides.

Das Dilemma dabei: Die Redaktionen, Macher und Moderatoren der Polit-Talks werden kaum eine Chance haben gegen die Öffentlichkeitsstrategie der Politiker. Auf Vertreter  der Volksparteien, Regierungsmitglieder, Fraktionsvorsitzende oder starke Oppositionelle werden sie als Gäste kaum verzichten können. Und diese werden ihre Möglichkeiten bestens nutzen, ihre Programme, Wahlaussagen und -versprechen prominent und möglichst oft zu platzieren, selbst  wenn es nichts mit dem eigentlichen Thema der Sendung zu tun hat. Aber vielleicht ist auch genau das die Aufgabe einer
politischen Gesprächssendung, gerade in einem Wahljahr. Dem Wähler seine Kandidaten zu präsentieren, deren Botschaften ungefiltert zu vermitteln. Hinterfragen und kritisches  Nachhaken scheint dann verboten. Die Moderatoren, die sich auch Journalisten nennen, sind in der Pflicht. Es ist ein Appell an ihr journalistisches Ehrgefühl, nicht zum reinen Sprachrohr der Parteien zu werden.

Denn eine politische Talkshow kann so viel mehr sein als ein  Instrument der Politiker. Ein Quell der Meinungen, ein Diskussionsforum, das Politik transparent macht. Mit Redaktionen, die Themen setzen statt Altes aufzuwärmen. Mit frischen Gästen, die für ihre Meinung einstehen.

Die Qualitätsdiskussion, die im Kreis verläuft, muss bei der Debatte um die Zukunft der Polit-Talks und auch bei der Entscheidung über deren mögliche Reduzierung dennoch im Vordergrund stehen, nicht die Quotendiskussion. Werden die wichtigsten Gedanken, Argumente und Positionen zu einem Thema konzentriert ausgetauscht und gebündelt oder gibt es eine gedankliche Springprozession, ein Durcheinander ohne Bezug aufeinander? Dies ist momentan der Fall und wird sich auch im Laufe des anstehenden Wahlkampfes nicht ändern, wenn die Großen der Politik in die Fernsehstudios strömen, um ihre going-public-Strategie zu verfolgen und ihre vorgefertigten und -geprägten Statements abspulen. Die Medien werden die Polit-Talks zerfleischen. Und dem Publikum wird es natürlich gefallen, denn darüber sind sich ja alle einig.

Sven Wenzel

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