Diskussion über Parteien mit Zukunft

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Junge Milde statt junge Wilde!

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Die Jugend ist unsere Zukunft. Gesellschaftliche Entwicklungen wie der demographische Wandel, zunehmende Individualisierung und ein Wandel in den Werteinstellungen wirken sich auf die Einstellungen und das Verhalten der Jugendlichen aus. Daher hat die Konrad-Adenauer-Stiftung pünktlich zum Tag der KAS am 12. Juni 2013, der unter dem Motto „Jugend bewegt – Mit Perspektive in die Zukunft“ stattfindet, eine repräsentative Umfrage unter 2.074[1] Befragten, darunter 766 Jugendliche und junge Erwachsene, zu den politischen Einstellungen und Wahrnehmungsmustern von Politik in Deutschland veröffentlicht. Das Ergebnis der Studie: Jugendliche unterscheiden sich weniger von der Gesamtbevölkerung, als man häufig meint. Die politischen Einstellungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen weichen nur geringfügig von der Gesamtheit ab. 

Die heutige Jugend ist bürgerlicher, als man gemeinhin denkt. Die gängige Vorstellung von Jugend sieht so aus: sie drängen vermeintlich nach Ungebundenheit, nach Veränderung, wollen gegen bestehende Regeln aufbegehren und legen vor allem Wert auf Spaß und Unterhaltung. Doch tatsächlich halten Jugendliche genauso wie die anderen Befragten Begriffe wie Freiheit, Zusammenhalt, Respekt, Ordnung, Sicherheit, Heimat, Vertrauen, Stabilität, Leistung und Bürgerlich für etwas Gutes.

95 Prozent der Jugendlichen verbinden mit Sicherheit etwas Gutes. In unsicheren Zeiten mit Schuldenkrise und Terrorismusgefahr spielt Sicherheit eine bedeutsame Rolle, denn es bedeutet gleichzeitig Planbarkeit und Vertrauen. Ähnlich sieht es mit Stabilität aus. 91 Prozent der Jugendlichen finden, Stabilität sei etwas Gutes. Zugleich halten 93 Prozent der Jugendlichen Ordnung für etwas Gutes. Regeln sind offenbar nicht nur etwas für Rentner.

Auch von einer „Null Bock“-Generation kann keine Rede sein. Die Mehrheit der Jugendlichen bewertet Leistung positiv. 91 Prozent verbinden mit Leistung etwas Gutes. Zusätzlich stimmen über 80 Prozent der Jugendlichen den Aussagen zu „Nur wer bereit ist, etwas zu leisten, sollte auch vom Staat unterstützt werden“ und „Wer mehr leistet, dem sollte es auch deutlich besser gehen“. Statt nur auf der faulen Haut zu liegen, ist bei Jugendlichen durchaus der Leistungsgedanke verbreitet.

Auch bei weiteren politischen Einstellungen weichen die Jugendlichen kaum vom Mittel ab. Sie befürworten zu einem Großteil den Abbau von Schulden, damit Deutschland seinen Wohlstand halten kann. Zudem unterstützen sie Großprojekte wie Flughäfen, Bahnhöfe oder Autobahnen.

Insgesamt belegen die Ergebnisse der Studie, dass die Jugendlichen ähnliche Einstellungen besitzen wie der Durchschnitt. Sie sind nicht auffallend anders, sondern befinden sich mitten in der Mitte. Man muss es ja nicht gleich so beschreiben wie die Welt am Sonntag, “Deutschlands Jugend ist schon ganz schön alt”, aber dass Werte auch für die junge Generation viel bedeuten, ist eine gute Nachricht.

Sabine Pokorny


[1] Bei der Umfrage wurde eine Überquote in der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen gezogen. Insgesamt wurden in dieser Altersgruppe 766 Interviews realisiert. Die Hauptstichprobe umfasst 1.493 Interviews. In der Auswertung wurde die Überquotierung wiederum durch Gewichtung auf den korrekten Gesamtbevölkerungsanteil gebracht.

2 Kommentare

  1. Die Sicht hat sehr viel für sich. Wo liegt die Unsicherheit? Im Kleingedruckten, im politischen Verhalten. “Man” wähnt sich politisch, in dem „man“ unpolitisch ist. Denn Wahlenthaltung oder Desinteresse ist beides. Und warum verhalten sich die Jungwähler so? Aus Unsicherheit. Weil, und das ist schon immer typisch gewesen, die Jugend mangels Erfahrung kein Wissen darüber hat, wie Politik, wie Gesellschaft wie Verant-wortung im Konsens mit den Anderen funktioniert. Mit Idealismus allein, und der wird ja in den Schulen gepflegt, gelehrt und versucht zu praktizieren, gelingt das nicht. Diesen daraus sich ergebenden Pragmatismus, der für ein Zusammenspiel Aller notwendig ist, den lehrt die Schule nicht vorrangig. So wird dann häufig das Elternhaus als pragmatische Hölle solange empfunden, bis der Beruf, die Ausbildung und die frühe familiäre Verantwortung den wahren lebenstüchtigen Pragmatismus lehrt. Aber dann ist der Frust über die angebliche Unfähigkeit der Anderen -immer die und nicht man selbst!- schon so weit ins ideale Gewissen hinein oxidiert, dass die Ideale vor-rangig für Freizeit und Fun reserviert bleiben. Würden die Soziologen den Schwerpunkt ihrer Ar-beit nicht so überwiegend auf den Idealismus, bzw. auf die Zustände, die sie dafür halten, setzen und dafür stärker auf einen ideellen Pragmatismus verweisen, könnte ein besserer Reali-tätssinn entstehen. Aber der vorwiegend linksorientierte Idealismus kann ja gar nicht anders.

  2. Zitat: “Junge Milde statt junge Wilde?”
    Das ist wohl so. Außerdem ist der weitaus größte Teil unserer Jugend doch wesentlich besser und verantwortungsvoller, als es gemeinhin in der Presse dargestellt wird. Allerdings mit einer Einschränkung. Könnte dieses positive Fazit vorrangig nur für das persönliche und familiäre Ziel gelten? Zitate: „Die Jugend ist unsere Zukunft“. Auch von einer „Null-Bock-Generation” kann keine Rede sein. Auch bei weiteren politischen Einstellungen weichen die Jugendlichen kaum vom Mittel ab“. Das (statistische) „Mittel“ sind aber leider die immer geringer werdenden Wahlbeteiligungen. Negative Spitzenreiter sind dabei die kommunalen Rats- und Personenwahlen, für die mancherorts nicht mal mehr 30% erreicht werden. Damit gerät der ominöse „Null-Bock“ in Reichweite. Dazu ein alarmierendes Beispiel: In unserem Gemeindeverband haben wir ca. 150 Mitglieder. Wir stellen nach jahrzehntelanger SPD-Dominanz im Ort und im Kreis jetzt sowohl den CDU-Bürgermeister als auch den CDU-Landrat. Wir sind also erfolgreich. Unser Altersdurchschnitt von über 60 Jahre erreicht demnächst die 70% Marge. In den 70er + 80er Jahren hatten wir noch eine Junge Union mit ca. 30 Mitgliedern. Nahezu alle unsere bisherigen und jetzigen Rats-, Ausschuss- und sonstigen Funktionsträger waren damals auch Mitglieder in der JU. Das war die Quelle. Und jetzt? Wir haben schon seit Jahren keine funktionsfähige Junge Union mehr! Kann mir jemand sagen, aus welchem personellen Quellen wir künftig unseren Personalbedarf füllen sollen? Da genügt es auch nicht, wenn hier und da dann unerwartet doch wieder einige junge Personen auftreten, die dann aber bald auch wieder in den überörtlichen Ausbildungsnotwendigkeiten verschwinden. Uns fehlen einfach die längere Zeit ortsansässigen und für politische Aufgaben bereiten und fähigen Menschen. Folglich kann keineswegs davon die Rede sein, dass die Jugend zuverlässig unsere politische Zukunft gestalten will und kann. Zumindest sieht das jetzt so aus und ein Wandel ist nicht in Sicht. Wir haben es deshalb sehr wohl und sehr bald mit einem „Null-Bock-Zustand“ zu tun. Das soweit zu den obigen Zitaten. Dramatisch ist auch, dass aus dem Bereich der kommunalen Angestellten immer weniger politische Personen kommen, die bereit und in der Lage sind, kommunale Führungsaufgaben zu übernehmen. Soweit meine bisherigen Erfahrungen. Wer Grund zum Optimismus hat, ist hochwillkommen. Diese Entwicklung ist in den Kommunen schon weit fortgeschritten. Auch die Länderparlamente leider bereits darunter. Das wird sich fortsetzten. So sieht es zur Zeit aus. Wer wird künftig die Lücken füllen, damit wieder statt junge „Milde“ tatkräftige jüngere „Wilde“ unsere kommunalen und politischen Aufgaben fortsetzen?

    Schönfärberei verwischt lediglich die Realitäten.

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