Diskussion über Parteien mit Zukunft

Fernsehen vor Zeitungen vor Internet

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von Viola Neu – Nach wie vor ist das Fernsehen das Leitmedium, aus dem die meisten Informationen über die Parteien und den Bundestagwahlkampf bezogen werden. Dies gilt für 49 Prozent der Befragten. Auf dem zweiten Platz liegen die Zeitungen, allerdings nur mit einer Nennungshäufigkeit von 20 Prozent und nur knapp auf dem dritten Platz (mit 16 Prozent) wird das Internet genannt. Radio, persönliche Gespräche oder andere Quellen spielen so gut wie keine Rolle. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede in der Medienpräferenz innerhalb der Anhängerschaften der Parteien. Während über die Hälfte der Unions- und SPD-Wähler das Fernsehen als wichtigste Quelle nennen, liegt der Anteil bei den Grünen-Wählern bei 32 Prozent.

Die Medienpräferenz wird vor allem durch Alter und Bildung bestimmt. Je älter Wähler sind, desto höher ist der Anteil des Fernsehens. Über 60-Jährige nutzen zu 57 Prozent überwiegend das Fernsehen. Für Bildung gibt es einen vergleichbaren Effekt: Wahlberechtigte mit einem niedrigen Bildungsniveau präferieren zu 63 Prozent das Fernsehen.

Bei der Internetnutzung sind typischen Einflussfaktoren von Alter und Bildung ebenfalls entscheidend: Je jünger und je höher gebildet die Wähler sind, desto höher ist die Internetnutzung. Von den über 60-jährigen Befragten informieren sich gerade einmal 3 Prozent überwiegend aus dem Internet, bei den unter 29-Jährigen sind es 37 Prozent. Auch bei der Bildung ist der Effekt eindeutig: 7 Prozent der Befragten mit einem niedrigen Bildungsniveau beziehen in erster Linie Informationen aus dem Internet. Bei Befragten mit einem hohen Bildungsniveau sind es 30 Prozent.

Zweifellos wird die Nutzung des Internets in Zukunft zunehmen. Dies sagt allerdings zum einen nichts über die Quellennutzung innerhalb des Netzes aus, die hier nicht eigens untersucht wurde. Zum anderen heißt dies nicht automatisch, dass politische Kommunikation damit eine verbesserte Verbreitung findet. Denn ein Befund der Umfrage ist deutlich: Das Internet ist nicht DAS Medium für Politik. Gefragt, wie häufig das Internet für politische Informationen genutzt wird, geben 53 Prozent an, dies seltener als einmal pro Woche zu nutzen. Eine tägliche Nutzung für politische Informationen findet sich bei 16 Prozent. Aus qualitativen Umfragen, aber auch aus quantitativen Studien ist bekannt, dass auch diese politischen Informationen häufig eher beiläufig wahrgenommen werden, da sie z.B. als Schlagzeile beim E-Mail-Anbieter auftauchen.

Ein Kommentar

  1. Was so zu vermuten war, dennoch hochinterresant!

    Allerdings wieder einmal, wie bei allen diesen Untersuchungen, keine Aussage über die “Qualitäten” der Nutzungsgewohnheiten.

    1, Das Fernsehen.
    Die Qualitätsunterschiede der Sender (öffentlich/rechtliche, private) sind beträchtlich. Was wird gesehen? Nur die Tagesschau oder auch die Hintergrundinformationen? Nur die “Überschriften” oder auch der Inhalt?
    2. Die Zeitungen.
    Werden alle politischen Meldungen gelesen oder nur deren Überschriften und die Kurzfassungen? Ist die BILD, die FAZ ode die Regionalzeitung gemeint? Und was ist mit der Unterscheidung in Welt-, Bundes-, Landes- und Ortspolitik?
    3. Das Internet.
    Wie ist denn dort die Informationstiefe? Regelmäßig wie bei der Tageszeitung? Doch wohl eher selten. Werden auch dort die politischen Kommentare gelesen?

    Wer nur TV und Internet nutzt, der weis über seinen Ort und dessen politisches Eigenleben nichts.

    Wenn für die Zeitung nur 20% gefunden wurden, dann kann es sowohl mit der Qualität als auch mit der Regelmäßigkeit der Informationsbereitschaft nicht sehr weit her sein. Nur die ununterbrochene Kenntnis läßt die Zusammenhänge und damit das Verständnis der politischen “Werdegänge” erahnen. Das Ergebnis ist dann Frust wegen Unverständnis, Wahlverweigerung wegen Unwissen und Verdrossenheit weil man nicht bereit ist, sich das eigene Versagen einzugestehen.

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