Diskussion über Parteien mit Zukunft

“Ein Freund der Volksparteien” – Zum Tod von Gerd Langguth

| 6 Kommentare

Möglicherweise gehört das „Genre“ der „Nachrufe“ nicht zum üblichen Repertoire eines Blogs. In diesem Fall aber rechtfertigt die Person, um die wir trauern, die Ausnahme in besonderem Maße – erst Recht in einem Blog, der sich mit der Zukunft der Volksparteien befasst. Wir trauern – auch als Blogredaktion – um Gerd Langguth, um einen geistreichen, einen klugen und ebenso scharfsichtigen wie scharfzüngigen politischen Analytiker, um einen herausragenden Politikwissenschaftler.

Gerd Langguth war ein Freund der CDU, ein Freund der Arbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung und nicht zuletzt auch ein Freund der Volksparteien, allerdings ein kritischer, ein, wie Warnfried Dettling es formuliert hat, „rücksichtslos offener“ Freund. Ein Freund, von der Sorte, die man als Begleiter, als Wegweiser, aber auch als Querdenker viel dringender braucht, als nur den schmeichelnden Mitläufer.

Gerd Langguth war ein Fachmann, der die wissenschaftliche wie die mediale Debatte über die CDU stark geprägt hat. Nicht zuletzt mit seinen Biografien, aber auch mit seinen zahlreichen Namensbeiträgen für alle bedeutenden Medien, die nie den akademischen Tiefgang vermissen ließen, hat er Maßstäbe gesetzt. Er war dabei einer der ganz wenigen Politikwissenschaftler von nationalem Rang, der aus seiner Zugehörigkeit zur christlich-demokratischen Familie nie einen Hehl gemacht hat. Zugleich unerschrocken zu sein, Schwachstellen offen anzusprechen und doch loyal zu sein ist im Leben, erst Recht in der Politik eine durchaus seltene, eine besondere Tugend. Seine geistreiche Kritik an der völlig absurden Merkel-Kritik von Gertrud Höhler war ein Musterbeispiel für diese fundierte Loyalität.

Auch sein Engagement für die Volksparteien war von dieser Mischung aus Loyalität und kritischer Offenheit geprägt. Viele seiner Namensbeiträge sind ein Plädoyer für das erfolgreiche Modell, ohne dass er dabei in eitle Lobeshymnen verfallen wäre. Im Gegenteil, oft genug hat Gerd Langguth gerade bei der CDU – aber immer wieder auch der SPD – sehr deutlich den Finger in die Wunde gelegt. Seine kritischen Analysen aber waren nie ein „Abgesang“ auf die Volksparteien, sondern stets geprägt von seinem sehr differenzierten Blick auf das Konzept und immer aus der Überzeugung heraus, dass das Besondere am „Modell Volkspartei“ in der Fähigkeit liegt, weit in die verschiedenen Teile der Gesellschaft hinein wirken und ausgleichen zu können.

Ein ebenso loyaler wie unbestechlich offener Geist blieb auch der „Stiftungsmann“ Gerd Langguth. Seine Verbundenheit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung beschränkt sich nicht nur auf die Zeit von 1993 bis 1997 als er das Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden ausgeübt hat. Er blieb der Stiftung sein Leben lang verbunden. Seit 1982 war er ununterbrochen Mitglied der Stiftung. Dementsprechend viel hat er von „seiner Stiftung“ erwartet: Die Stiftung, so sein Plädoyer vor wenigen Wochen – von seiner Krankheit bereits gezeichnet – in seiner Festrede beim Politischen Aschermittwoch zum 10-jährigen Bestehen der Hauptabteilung Politik und Beratung am 13. Februar, sei nicht die Abteilung für Feiertags- und Festreden der Union. Es gehöre bisweilen auch Mut dazu, „dass die Stiftungen Fehlentwicklungen und Versäumnisse mit aller Sensibilität auch bei den Parteien offen ansprechen, denen sie nahestehen“. Gerd Langguth war dabei im besten Sinne des Wortes staatstragend. Die künftigen ordnungspolitischen Grundsätze unseres Staates mitzugestalten und das richtige Maß zu finden“ – dies sei die Hauptaufgabe des Think Tanks der Konrad-Adenauer-Stiftung in den kommenden Jahren.

Wir nehmen diesen „Auftrag“ ernst, wir danken ihm für seine Beiträge – auch in diesem Blog, den er geschätzt hat. Seine fachkundigen Zwischenrufe, seine klugen Wortmeldungen werden uns fehlen. Wir werden Gerd Langguth vermissen. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seinen Angehörigen.

 Michael Borchard

6 Kommentare

  1. Während meiner JU-Zeit in Bad.-Württemberg habe ich Gerd Langguth persönlich erlebt.Er lies sich nicht verbiegen, schon gar nicht um der Karriere willen. Vorbildhaft klar und eindeutig wie er argumentierte,für die Sache stritt und dabei äußerst fair blieb.
    Er war ein JU-Landeschef der seine Meinung nicht der Karriere opferte und -programmatisch- die Junge Union als Motor der CDU verstand.
    Meine Anteilnahme gilt seinen Angehörigen

  2. Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn Dank der KAS als klugen Denker im kleinen Kreise persönlich erleben durfte. Michael Borchard hat mit guten Worten beschrieben, was Gerd Langguth als Wissenschaftler, Autor, Politiker und Berater ausgemacht hat. Gerd Langguth hat bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und mir viel mitgegeben, das von ihm bleiben wird.

  3. über die jahrzehntelange Verbindung mit Gerd Langguth habe diesen als scharfsinnigen politischen Beobachter kennen und schätzen gelernt. Seine politischen Analysen sind besonders in den letzten Jahren immer stärker in den medialen Fokkus gelangt. Dabei konnte er von seiner weitreichenden Verflechtung mit der Praxis profitieren, was auch seine Studierende besonders zu schätzen wußten. Sein Fehlen werden viele als betrüblich empfinden.

  4. Vielen Dank für diesen Artikel, der Gerd Langguth hervorragend trifft. Ich habe immer bewundert, wie gut er sein Bekenntnis zur Christdemokratie und seine kritische Analyse miteinander zu verbinden wusste. Er war ein hervorragender Ratgeber. Ich werde ihn vermissen. Requiescat in pace.

  5. Er war kein einfacher Chef an der Spitze der KAS und hat sich als Politiker mehr als einmal selbst im Wege gestanden. Aber als unbestechlicher Beobachter, kluger Analytiker, der seine Ansichten nie dem Diktat des gerade Opportunen untergeordnet hat und als brillant formulierender Autor – vor allem aber als offener, nie um Rat und Meinung verlegener Gesprächspartner suchte er seinesgleichen. Ein großer Verlust, weit über das christdemokratische Umfeld hinaus. Möge die Erde ihm leicht werden.

  6. Dies “kritische Loyalität” zeichnete Gerd Langguth nicht nur in seinem Verhältnis zur Union aus. Auch im persönlichen seinen Studenten gegenüber war er geprägt von dieser Maxime. Geschont hat er niemanden, aber nie wollte er bloßstellen – immer ging es ihm darum das kritische Hinterfragen der eigenen Positionen anzuregen. Wer theoretisch referierte, der musste in der Lage sein, dieses aus eigenen Gedanken ableiten zu können. Wer dann nicht den Weg zu dem meist praktischen Thema zurück fand, der hatte es schwer.

    So hat er Generationen seiner Studenten geprägt und damit etwas geschafft, was nur wenigen Lehrern gelingt. Auch ich kann mich dafür nur zutiefst bei ihm bedanken.

Hinterlasse einen Kommentar zu Matthias Luderich Antworten abbrechen

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*