Diskussion über Parteien mit Zukunft

Die kleinen Leute

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Schon mehrfach haben wir in diesem Blog über die Selbstwahrnehmung der Menschen als „Kleine Leute“ berichtet. Wenn es stimmt, dass diese Gruppe einen großen Teil, ja den allergrößten Teil der Wahlberechtigten stellt, dann ist sie von allergrößter Bedeutung für die Volksparteien und erfordert ein genaueres Hinsehen. 

Neben den politischen Sorgen wollten wir deshalb wissen, wer sich eigentlich zu den „kleinen Leuten“ zählt. In einer qualitativen Umfrage zum Thema Volksparteien konnten wir feststellen, dass sich ein Großteil der Befragten als „kleine Leute“ bezeichnet. Besonders überraschend war dabei, dass diese Zuschreibung offenbar unabhängig von der tatsächlichen sozialen Lage erfolgte. Damit verbunden war eine Distanzierung gegenüber Beziehern von „Hartz IV“. Daher dient die aktuelle Studie[1] dazu, den Befund der qualitativen Untersuchung quantitativ zu überprüfen.

In der quantitativen Befragung antworten 69 Prozent der Befragten, sie würden sich zu den „kleinen Leuten“ zählen[2]. Besonders häufig bezeichnen sich dabei Befragte zwischen 35 und 59 Jahren mit Mittlerer Reife als „kleine Leute“ (85 Prozent). Am wenigsten fühlen sich über 60-Jährige mit Abitur von dem Begriff „kleine Leute“ angesprochen (40 Prozent). In der Gruppe der Befragten mit Hochschulabschluss ist der Anteil der „kleinen Leute“ mit 39 Prozent deutlich niedriger als in den anderen Bildungsgruppen. Besonders häufig bezeichnen sich un- und angelernte Arbeiter (90 Prozent) sowie Facharbeiter (82 Prozent) als „kleine Leute“. Leitende Angestellte (57 Prozent) und Selbständige (52 Prozent) zählen sich selbst dagegen seltener zu dieser Gruppe. Im Osten findet die Bezeichnung „kleine Leute“ mit 70 Prozent Zustimmung mehr Anklang als im Westen mit 66 Prozent. Die Anhänger der beiden Volksparteien liegen mit 62 Prozent (CDU/CSU) und 68 Prozent (SPD) etwa im Gesamtmittel. Anhänger der Grünen bezeichnen sich dagegen nur zu 56 Prozent als „kleine Leute“. Befragte, die angaben, nicht wählen zu gehen, sehen sich selbst zu 83 Prozent als „kleine Leute“.

Viola Neu


[1] Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in einer repräsentativen Umfrage unter 2.074 Befragten grundlegende politische Einstellungen und Wahrnehmungsmuster von Politik in Deutschland untersucht. Die telefonische Befragung wurde zwischen dem 17. September und 2. Oktober 2012 von der Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt

[2] Frage: „Wenn es um unsere Gesellschaft geht, ist ja oft von den sogenannten „kleinen Leuten“ die Rede. Wie ist das bei Ihnen, würden Sie sich selbst eher zu den kleinen Leuten zählen oder würden Sie sich eher nicht dazu zählen?“

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