Diskussion über Parteien mit Zukunft

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Der Wahl-O-Mat bei der Bundestagswahl 2013

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von Sabine Pokorny – Bevor man am Wahltag sein Kreuzchen macht, muss man wissen, wo man es denn machen will. Immer mehr Wähler entscheiden sich erst wenige Tage vor der Wahl oder sogar erst am Wahltag selbst. Seit 2002 gibt es den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung, der bei der Entscheidungsfindung helfen soll. Bei der Bundestagswahl 2009 wurde der Wahl-O-Mat 6,7 Millionen Mal gespielt[1] (für 2013 liegen leider noch keine Daten vor).

Untersuchungen zu den Bundestagswahlen 2005 und 2009 zeigen, dass die Nutzer des Wahl-O-Mats überwiegend jung, hoch gebildet und politisch interessiert sind[2]. Damit unterscheiden sie sich vom durchschnittlichen Wähler. Auch 2013 wurde der Wahl-O-Mat wieder für die Bundestagswahl geschaltet. In einer repräsentativen Telefonbefragung direkt im Anschluss an die Wahl hat die Konrad-Adenauer-Stiftung[3] unter anderem nach der Nutzung des Wahl-O-Mats gefragt.

Erstaunlich ist dabei vor allem der hohe Bekanntheitsgrad des Wahl-O-Mats. Nur 8 Prozent der Befragten geben an, noch nie vom Wahl-O-Mat gehört zu haben. Gut ein Viertel der Befragten (27 Prozent) hat die Online-Plattform sogar selbst genutzt. Der Wahl-O-Mat wurde häufiger von Männern als von Frauen, von jüngeren als von älteren und von formal höher als von niedriger gebildeten Befragten gespielt. Das ist in Einklang mit den früheren Untersuchungen von Stefan Marschall. Zusätzlich nutzen Arbeiter diese Online-Hilfe mit nur 13 Prozent deutlich seltener. Sie geben stattdessen überdurchschnittlich häufig an, noch nie vom Wahl-O-Mat gehört zu haben (14 Prozent). Nicht berufstätige Befragte nutzten die Entscheidungshilfe hingegen deutlich überdurchschnittlich. Jeder zweite nicht berufstätige Befragte hat den Wahl-O-Mat gespielt. Ein Grund hierfür liegt sicherlich darin, dass sich in der Kategorie „nicht berufstätig“ auch Schüler und Studenten und damit eher junge Menschen befinden.

Die Wähler der meisten Parteien haben den Wahl-O-Mat durchschnittlich oft genutzt. Einzig die Wähler der Grünen waren deutlich fleißiger bei der Entscheidungsfindung mittels Wahl-O-Mat. 50 Prozent der Grünen-Wähler haben sich von diesem Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung in ihrer Wahlentscheidung beraten lassen. Ähnlich verhält es sich mit der Parteineigung. Die Anhänger der Grünen nutzen die Online-Hilfe überdurchschnittlich häufig. Die Anhänger von CDU und CSU spielten den Wahl-O-Mat dagegen seltener als der Durchschnitt. Das kann an der unterschiedlichen Alters- und Bildungsstruktur der Anhänger und der Nutzer liegen. Die Wähler der Alternative für Deutschland – gemessen an der aktuellen Sonntagsfrage – wiederum haben den Wahl-O-Mat mit 43 Prozent häufiger verwendet als der Durchschnitt.

Von denjenigen, die den Wahl-O-Mat genutzt haben, sind 43 Prozent von seinem Ergebnis überrascht. Sie finden sich offenbar nicht bei der Partei wieder, bei denen sie sich verortet hätten. Bei den Wählern der SPD fällt der Überraschungseffekt mit nur 34 Prozent unterdurchschnittlich aus. Von den Wählern von CDU/CSU – gemessen an der aktuellen Sonntagsfrage – ist dagegen jeder zweite Wahl-O-Mat-Nutzer über das Ergebnis erstaunt. Zusätzlich wurde jede zweite Frau überrascht. Das trifft nur auf 37 Prozent der Männer zu.

Doch wie sieht es mit der eigentlichen Funktion des Wahl-O-Mates, eine Orientierungshilfe zu bieten, aus? 32 Prozent der Nutzer hat das Ergebnis bei der Wahlentscheidung nach eigener Angabe geholfen. Dieser Wert ist verglichen mit früheren Bundestagswahlen eher niedrig. Bei der Bundestagswahl 2005 gaben 40 Prozent an, das Ergebnis sei hilfreich gewesen[4]. Bei der Bundestagswahl 2009 waren es sogar 46,1 Prozent[5].

Auch wenn 32 Prozent der Nutzer ihr Ergebnis hilfreich fanden, heißt das nicht, dass sie ihre Entscheidung geändert haben. Nur 5 Prozent der Nutzer der Online-Hilfe haben durch das Ergebnis ihre Wahlentscheidung geändert. Bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009 lag der Wert mit 6,3 und ca. 8 Prozent etwas höher[6]. Allerdings handelt es sich dabei um Absichtserklärungen vor der Wahl. Es ist anzunehmen, dass die tatsächliche Quote auch bei den Wahlen 2005 und 2009 niedriger lag. Die relativ große Überraschung über eine nicht erwartete Nähe zu Parteien führt nicht zu Meinungsänderungen im selben Ausmaß.

Ziel des Wahl-O-Mats war es, die Wahlbeteiligung junger Wähler zu erhöhen[7]. Ob dies gelungen ist, kann nicht geklärt werden. Es ist durch den Wahl-O-Mat allerdings gelungen, junge Leute dazu zu bewegen, sich mit den kommenden Wahlen zu beschäftigen. Jeder zweite Jungwähler zwischen 18 und 29 Jahren hat im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 den Wahl-O-Mat genutzt. Insgesamt nutzten ihn ein Viertel der Befragten. Gleichzeitig fand aber die Mehrheit der Nutzer das Ergebnis nicht hilfreich und kaum ein Befragter hat seine Meinung aufgrund des Ergebnisses geändert. Marschall kommt zu dem Ergebnis, dass der Wahl-O-Mat vorrangig genutzt wird, „um die eigenen politischen Positionen mit denen der […] nahestehenden Partei abzugleichen“[8]. Er dient folglich eher zur Bestätigung der eigene Positionen und Präferenzen gebildeter und politisch interessierter junger Menschen und weniger zur Orientierung politisch weniger affiner Jugendlicher.

Um Missverständnissen vorzubeugen: dies soll keine Kritik sein. Eine Bestätigung der eigenen Positionen ist von großer Bedeutung. Junge Menschen setzen sich mit Hilfe des Wahl-O-Mats mit Politik auseinander und werden in ihren Ansichten gefestigt. Von politisch desinteressierten jungen Wählern zu erwarten, sich aktiv mit Politik auseinanderzusetzen, wäre wohl eine zu hohe Erwartung an ein Online-Spiel.


[1] http://www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/45292/fakten-zum-wahl-o-mat

[2] Vgl. Stefan Marschall, 2005, Idee und Wirkung des Wahl-O-Mat, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 51-52/2005, S. 41-46; Stefan Marschall, 2011, Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 4/2011, S. 40-46.

[3] Im Zeitraum vom 23.09.-07.10.2013 hat Emnid im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung 2550 Personen zur Bundestagswahl befragt.

[4] Vgl. Stefan Marschall, 2005, Idee und Wirkung des Wahl-O-Mat, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 51-52/2005, S. 41-46.

[5] Vgl. Stefan Marschall, 2011, Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 4/2011, S. 40-46.

[6] Vgl. für die BTW 2005: Stefan Marschall, 2005, Idee und Wirkung des Wahl-O-Mat, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 51-52/2005, S. 41-46; und für die BTW 2009: Stefan Marschall, 2011, Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 4/2011, S. 40-46.

[7] Vgl. Stefan Marschall, 2005, Idee und Wirkung des Wahl-O-Mat, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 51-52/2005, S. 42.

[8] Vgl. Stefan Marschall, 2011, Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 4/2011, S. 45.

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