Diskussion über Parteien mit Zukunft

Breiter gesellschaftlicher Wertekonsens

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So banal es klingen mag, es ist doch nicht zu bestreiten: Volksparteien verdienen ihren Namen nur dann, wenn sie wissen, wie die Mehrheit der Menschen „tickt“.

Wir haben deshalb jüngst in einer Umfrage die Menschen gefragt, was sie mit bestimmten Begriffen verbinden. Sie konnten angeben, ob sie damit eher etwas Gutes oder eher etwas Schlechtes verbinden, oder ob sie mit dem Begriff nichts anfangen können. Wir wollten damit herausfinden, wie politische Begriffe wahrgenommen werden und ob sie in der Bevölkerung überhaupt verstanden werden. Für die Effizienz politischer Kommunikation ist die Beurteilung politischer Sprache von essentieller Bedeutung.

In der Umfrage zeigt sich deutlich, dass es etwas wie einen universellen Werterahmen gibt, der von fast jedem geteilt wird. Dazu gehören die Begriffe Freiheit (97 Prozent), Zusammenhalt (95 Prozent), Respekt (95 Prozent), Ordnung (94 Prozent), Mitgefühl (94 Prozent), Heimat (93 Prozent), Sicherheit (93 Prozent), Vertrauen (92 Prozent), Stabilität (91 Prozent), Sozial (90 Prozent) und Leistung (90 Prozent). Über die positive Bedeutung dieser Begriffe scheint in der Bevölkerung Konsens zu herrschen. Bemerkenswert ist auch die hohe Übereinstimmung bei den Begriffen zwischen den verschiedenen Parteianhängerschaften.

Die nächste Gruppe von Begriffen erhält eine nicht ganz so hohe Zustimmung, wird aber immer noch von mehr als drei Viertel der Bürger positiv assoziiert: Werte (88 Prozent), Tradition (84 Prozent), Chancen (84 Prozent), Leistungsgerechtigkeit (82 Prozent), bürgerlich (81 Prozent) und soziale Marktwirtschaft (75 Prozent).

In der folgenden Gruppe lässt die Zustimmung zu den Begriffen deutlich nach, liegt aber immer noch bei über 50 Prozent. Gleichzeitig steigt der Anteil der negativen Assoziation sowie der Anteil derjenigen, die mit den Begriffen nichts anfangen können. Den Begriff „Wahlfreiheit für Familien“ assoziieren 74 Prozent positiv. Gleichzeitig gibt ein Fünftel der Befragten an, mit dem Begriff gar nichts zu verbinden. Mit „christlich“ verbinden 65 Prozent aller Befragten eher etwas Gutes. Hier unterscheiden sich ältere Befragte deutlich von jüngeren Befragten. Bei den über 30-Jährigen verbinden 67 Prozent mit „christlich“ etwas positives, bei den unter 30-Jährigen sind es nur 56 Prozent. Ähnlich ergeht es dem Begriff „liberal“. 55 Prozent sehen „liberal“ als etwas Positives an. Gleichzeitig können 24 Prozent und somit etwa ein Viertel der Befragten damit nichts anfangen. Besonders ausgeprägt ist das bei den jüngeren Befragten unter 30 Jahren. In dieser Gruppe verbinden sogar nur 45 Prozent mit „liberal“ etwas Gutes. 33 Prozent geben dagegen an, mit dem Begriff nichts anfangen zu können.

Fünf Begriffe werden nur von weniger als der Hälfte der Befragten positiv bewertet und bilden damit die Schlussgruppe der abgefragten Begriffe. Auffällig ist dabei, dass die geringe Zustimmung nicht zwingend auf eine Ablehnung der Begriffe zurückzuführen ist. Stattdessen hat ein großer Teil der Befragten keine Ahnung, um was es sich dabei handelt. Auch der Begriff „Volkspartei“ wird nur von 47 Prozent mit etwas Gutem verbunden. Über ein Viertel der Befragten (28 Prozent) kann mit dem Begriff „Volkspartei“ nichts anfangen. Ein weiteres Fünftel verbindet mit „Volkspartei“ eher etwas Schlechtes. Noch schlechter ergeht es dem Begriff „Haushaltskonsolidierung“. Lediglich 42 Prozent verbinden damit etwas Gutes. Weitere 42 Prozent können mit „Haushaltskonsolidierung“ nichts anfangen. In der Gruppe der unter 30-Jährigen beläuft sich der Anteil derjenigen, die den Begriff mit nichts verbinden können, sogar auf ganze 62 Prozent. Nur 24 Prozent der Jüngeren bewerten den Begriff „Haushaltskonsolidierung“ positiv. Begrifflich ist „Haushaltskonsolidierung“ nicht sehr beliebt. Inhaltlich befürwortet aber die Mehrheit den Abbau von Schulden (siehe weiter unten). Hier liegt das Problem folglich nicht in der Sache, sondern rein in der Kommunikation.

Auf dem vorletzten Rang landet der Begriff „konservativ“ mit 41 Prozent Zustimmung. Knapp ein Drittel der Befragten verbinden mit „konservativ“ eher etwas Schlechtes, ein Fünftel kann mit dem Begriff nichts anfangen. Bei den Jüngeren empfinden sogar 40 Prozent der Befragten „konservativ“ als negativ. Das Schlusslicht bildet der Begriff „Demographischer Wandel“. Lediglich 37 Prozent verbinden mit ihm etwas Positives. 27 Prozent bewerten ihn negativ und 30 Prozent der Befragten können mit dem Begriff „Demographischer Wandel“ nichts anfangen.

Insgesamt fällt auf, dass es den Befragten bei den meisten Begriffen schwer fällt, eine Partei zu nennen, der sie den Begriff zuordnen. Dies funktioniert bspw. bei der Union mit dem Begriff christlich und bei der SPD mit dem Begriff sozial verhältnismäßig gut. Mit christlich erhält die Union mit 57 Prozent den stärksten Imagewert, die SPD bekommt mit 47 Prozent den Begriff sozial zugeordnet. Um nur einige andere Beispiele zu nennen: Demographischer Wandel wird von 18 Prozent der Union und von 20 Prozent der SPD zugeordnet. Bei Haushaltskonsolidierung erhält die Union einen Wert von 27; die SPD von 14 Prozent.  Leistungsgerechtigkeit bringen 18 Prozent mit der CDU und 24 Prozent mit der SPD in Verbindung. Und bei dem Thema Wahlfreiheit für Familien liegen die Volksparteien etwa gleich auf (18 Prozent Union; 19 Prozent SPD). Dies liegt sicherlich daran, dass die meisten Menschen Probleme haben, die Inhalte der Themenfelder zu erfassen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt aktuell eine Studie der Universität Hohenheim, welche Wahlprogramme zur Landtagswahl in Niedersachsen testete.[2] Viele Begriffe sind für die Menschen schlicht zu kompliziert oder zu interpretationsoffen (z. B. Wahlfreiheit für Familien), als dass dadurch eine eindeutige Zuordnung zu einer Partei stattfinden könnte.

Viola Neu/Sabine Pokorny 

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