Monatsarchiv: Januar 2012

Neue Reihe: „Darum bin ich Mitglied einer Volkspartei…“

Volksparteien zeichnen sich unter anderem durch ihre Vielfalt aus. Auch wenn sie die Sozialstruktur und die Interessenvielfalt eines Landes natürlich niemals eins zu eins widerspiegeln, sind nur Volksparteien in der Lage, unterschiedliche ökonomische, soziale, konfessionelle und kulturelle Standpunkte zu integrieren, zu repräsentieren, auszugleichen und in Politik umzusetzen, die breite gesellschaftliche Zustimmung findet. Das macht sie gegenüber allen anderen Parteien so einzigartig und wichtig.

In dieser neuen Reihe unseres Blogs haben Parteimitglieder das Wort: Christdemokraten und Sozialdemokraten, bekannte und bundesweit möglicherweise auch weniger bekannte Mitglieder, Frauen und Männer, Ältere und Jüngere und Vertreter scheinbar gegenläufiger innerparteilicher Interessengruppen stellen ihre ganz persönlichen Gründe dar, warum sie Mitglied einer Volkspartei sind. Die innerparteilichen Positionen unserer Autorinnen und Autoren, ihr politischer Werdegang, ihre Herkunft und auch ihre Motive, sich in einer Volkspartei zu engagieren, sind so vielfältig wie die Volksparteien selbst. Den Anfang machen der Bundesvorsitzende der Jungen Union Philipp Mißfelder, MdB, die stellvertretende Vorsitzende im Landesvorstand des Deutsch-Türkischen Forums der CDU in Nordrhein-Westfalen, Cemile Giousouf, der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag von NRW, Karl-Josef Laumann, MdL, und Fritz Niedergesäß, Vorsitzender des Berliner CDU-Kreisverbands Treptow-Köpenick. Wir laden Sie sehr herzlich ein, die Beiträge zu verfolgen und sich an der Diskussion zu beteiligen.

Philipp Mißfelder MdB: „Darum bin ich Mitglied einer Volkspartei“

Zu einer Zeit, in der der Anteil parteipolitisch engagierter Menschen in unserem Land gerade noch einen Bruchteil der Gesamtbevölkerung ausmacht, kommt der Frage nach den Beweggründen für eine Parteimitgliedschaft neues Gewicht zu. Der politisch engagierte Bürger, so scheint es, gehört einer gefährlich schrumpfenden Minderheit an. Wer sich einer Partei zugeselle, der lege seinen Geistesaugen Scheuklappen an, sagte einst der österreichische Dichter Otto von Leixner. Anders gefragt: Verstellt derjenige, der sich mit einer Parteimitgliedschaft festlegt, die Sicht über den politischen Tellerrand? Blicke ich auf meinen eigenen Impetus zurück, über die tägliche Zeitungslektüre hinaus politisch aktiv zu werden, verhielt es sich im Grunde eher umgekehrt. Das genaue Gegenteil, nämlich der Weitblick der Staatsmänner, die die Geschicke Deutschlands zu meiner Jugendzeit lenkten, war es, der mich vor über sechzehn Jahren zum Eintritt in die CDU bewegte. Es war der Mut von Partei und Regierung um Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, scheinbar Unmögliches zu wagen, um die deutsche Teilung nach über vierzig Jahren zu überwinden, der mich von der friedlichen Kraft der Politik überzeugte. Allen voran weckte die Strahlkraft das, was geschichtlich möglich geworden ist, auch kraftvoll umzusetzen meine Begeisterung für ein aktives Engagement in der großen Volkspartei CDU. Neben dem parlamentarischen Alltagsbetrieb – durch solides Handwerk gemeistert – ist es diese Verwirklichung großer Ziele, die den Reiz des Politischen in der Demokratie ausmachen. Ein einiges und friedliches Europa und ein vereinigtes Deutschland waren lange Zeit Visionen, die heute Wirklichkeit sind. Eindrucksvoller lässt sich die Gestaltungskraft von Politik nicht zeigen.

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Cemile Giousouf: „Darum bin ich Mitglied einer Volkspartei“

„Also mich wundert es gar nicht, dass sie in der CDU ist, schließlich war es die CDU, die 2005 das erste Integrationsministerium unter Armin Laschet eingerichtet hat, es war Kanzlerin Merkel, die den Integrationsgipfel ins Leben gerufen und es war der damalige Innenminister Schäuble, der die Islamkonferenz einberufen hat. Damit hat das Thema doch eine immense Gewichtung bekommen.“ Wir befanden uns auf einer Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung in Berlin und eine junge Wissenschaftlerin sprang mir zur Seite. Die Runde bestand aus Experten mit Zuwanderungsgeschichte, die als Journalisten und Wissenschaftler arbeiteten oder in der Politik aktiv waren. Sie wollten von mir wissen, warum ich Mitglied der CDU bin, einer Partei, die eher als nicht migrantenfreundlich galt.

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Karl-Josef Laumann MdL: „Darum bin ich Mitglied einer Volkspartei“

Ich bin gerne in einer Volkspartei, weil es mir wichtig ist, politische Fragen mit Menschen aus den unterschiedlichsten Erfahrungswelten zu diskutieren. Die CDU ist weder Unternehmer-Partei noch Arbeitnehmer-Partei. Bei uns suchen beide Seiten gemeinsam nach Positionen. Die CDU ist weder die Partei der Älteren noch der Jungen. Wir sind die Partei aller Generationen. Die CDU ist weder die Partei der ländlichen Räume noch der Ballungsräume. Wir sind eine Partei für alle Regionen unsers Landes. Wir sind weder Männer- noch Frauen-Partei, sondern die Partei für alle Bürgerinnen und Bürger.

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Fritz Niedergesäß: „Darum bin ich Mitglied einer Volkspartei“

Etwas anderes als eine Volkspartei kommt für mich nicht in Frage. Meine politische Heimat kann nur in einer Partei sein, in der alle Probleme des Lebens erfasst werden. Das sind in Deutschland nur die CDU und die SPD. Entscheidend war für mich 1989/90, welche Volkspartei der Realität am nächsten kommt – und das war eben die CDU. Solidarität, Subsidiarität, Anerkennung von Leistung, Bekenntnis zum Eigentum, Bewahrung der Schöpfung, fairer Wettbewerb und die Freiheit der Persönlichkeit sind in der CDU Grundsätze, die wirklich gelebt werden. Es hat sich in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass die CDU auf der Grundlage der benannten Werte in der Lage ist, komplizierte gesellschaftliche Prozesse zu gestalten und diese progressiv weiter zu entwickeln. Damit wird ein ständiger Erneuerungsprozess begleitet, der nicht frei von Rückschlägen ist, aber gerade da beweist sich die Standhaftigkeit der CDU, ihr Realitätssinn und ihre grundsätzlich staatstragende Ausrichtung. Beispiele hierfür sind im vorigen Jahr die Aufhebung der Wehrpflicht und die Neuausrichtung der Energiepolitik. Es ist für mich kein Widerspruch, gleichzeitig Mitglied der CDA und des Wirtschaftsrates der CDU zu sein. Hier wird die Bandbreite der Verantwortung sehr gut abgebildet. Einerseits der Kampf der CDA um bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne, Sicherung sozialer Leistungen und auf der anderen Seite das Bemühen des Wirtschaftsrates, die Unternehmen verantwortungsbewusst zu begleiten, die Wettbewerbsfähigkeit im Weltmaßstab zu sichern und weiterzuentwickeln.

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Sozialdemokratische Union Deutschlands?

Der immer wieder aufflammenden Diskussion um den vermeintlichen Identitätsverlust der deutschen Volksparteien fügte dieser Tage Christian Junge eine Studie hinzu, die auf seiner 2010 an der Universität Göttingen eingereichten Dissertation beruht. Zwei Hauptfragen standen dabei im Mittelpunkt: Erstens, ob die Mitglieder von CDU und SPD heute noch in der Lage sind, problemlos zu benennen, was die eigene Partei im Kern ausmacht und zweitens, welche Konsequenzen für die emotionalen Parteibindungen der Mitglieder und die innerparteiliche Partizipation entstehen, wenn sie die erste Frage nur unter Schwierigkeiten oder gar nicht mehr beantworten können (S. 15-16). Dazu hat Junge zwischen März und August 2007 je 15 Mitglieder von CDU und SPD interviewt. Sein Fazit: „ … in der Wahrnehmung beider Mitgliedergruppen … vollzieht sich … [eine] Annäherung der beiden Großparteien“ [und] „ …  in konkreten Politikfeldern fällt es der Mitgliedschaft zunehmend schwer, markante Differenzlinien zu ziehen“ (S. 240, ähnlich auch S. 135). Einen Beleg für nachlassende innerparteiliche Aktivität, der sich ursächlich auf diesen Befund zurückführen lassen könnte, fand Junge aber nicht (S. 242). Weiterlesen

Zukunft bedeutet, Verantwortung zu übernehmen

Für die CDU Schleswig-Holsteins bedeutet Zukunft, Verantwortung zu übernehmen. Als Regierungspartei tragen wir nicht nur die Verantwortung für 2,8 Millionen Schleswig-Holsteiner, sondern auch für ihre Kinder und Enkelkinder. Wir sprechen über alle Belange des Lebens, denn wir sind eine Volkspartei.
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Die Volkspartei lebt vom Mitmachen! Aber wie?

Die Beteiligung vieler ist eine der Grundvoraussetzungen für den langfristigen Erfolg einer Volkspartei. Denn nur durch aktives Mitmachen einer Vielzahl unterschiedlichster Menschen wird eine Partei zum vielschichtigen Gemischtwarenladen und damit zum Spiegelbild der Gesellschaft.

Wie lässt sich diese Beteiligung heute realisieren? Neben der klassischen Arbeit mit Stammtischen, Infoveranstaltungen und Parteitagen bietet das Internet neue Möglichkeiten der Beteiligung. Man kann an Diskussionen teilnehmen, ohne sich an festen Terminen zu orientieren, die Information zu vielen fachpolitischen Themen wird immer einfacher und der Kontakt zu aktiven Politikern aller Ebenen wird ganz besonders durch soziale Netzwerke immer direkter.

Aber hilft das der Idee „Volkspartei“ oder stehen diese Beteiligungsmöglichkeiten eher im Widerspruch zum etablierten Verbandsleben? Oder anders gefragt: Ist die digitale Beteiligung an politischen Debatten eine Chance oder zieht man den etablierten und stabilen Strukturen den Boden unter den Füßen weg?

Diese Frage stellt der netzpolitisch orientierte und überparteiliche Verein PolitCamp e.V. und hat dazu den Generalsekretär der CDU Deutschlands Hermann Gröhe eingeladen. Mit ihm diskutieren Lars Klingbeil (SPD), Bernd Schlömer (Piraten)  und die Politologin Julia Schramm.

Die Diskussion ist öffentlich und findet in Berlin statt. Wenn Sie dabei sein wollen, wird eine kurze Anmeldung auf der Webseite zur Veranstaltung erbeten. Ich freue mich auf eine spannende Diskussion.

Claus Junghanns

Junge Wähler als Zukunft der Volksparteien?

Junge Wähler wählen anders als ältere. Junge Wähler wählen unterdurchschnittlich häufig die CDU, dafür entscheiden sie sich häufiger als der Durchschnittswähler für die Grünen und für die kleinen Parteien, die meist nur unter „Sonstige“ ausgewiesen werden. Sind junge Wähler deshalb für die Volksparteien verloren? Oder wandelt sich ihr Wahlverhalten möglicherweise im Laufe ihres Lebens? Und weshalb wählen junge Wähler eigentlich anders als ältere Wähler?
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Die CDU. Entstehung und Verfall christdemokratischer Geschlossenheit.

Die CDU ist eine Partei, die es selbst Wissenschaftlern schwer macht, sie zu verstehen. In einem neuen Buch über die CDU heißt es gleich zu Beginn: „Man darf sie nicht zu früh abschreiben, die deutschen Christdemokraten. Denn da kann man unversehens falsch liegen. Schließlich hatten schon in den frühen 1970er Jahren forsche Kommentatoren, aber auch seriöse Wahlforscher voreilige Nekrologe auf die CDU verfasst“ (S. 11). Die Autoren zeigen sich etwas verwundert: „Keine andere Partei der deutschen Parlamentsgeschichte konnte auch eine nur ansatzweise vergleichbare Erfolgsbilanz vorweisen. Die Christdemokraten verfügten also offenbar über spezifische Machtressourcen, die sie gegenüber ihren politischen Konkurrenten lange privilegierten“ (S. 12). Und trotzdem wird konstatiert: „Kulturell war auch längst schon in den 1970/1980er Jahren die post-christdemokratische Ära angebrochen. Die Bindemittel und Sinngewebe aus der goldenen christdemokratischen Nachkriegsära – von der Kolping-Kultur zum deutschnationalen Honoratiorenstammtisch, vom Pflichtethos zum Ordnungsmuster, von der Sparsamkeitstugend zum sonntäglichen Kirchgangsbesuch – waren randständig geworden“ (S. 11).

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