Der immer wieder aufflammenden Diskussion um den vermeintlichen Identitätsverlust der deutschen Volksparteien fügte dieser Tage Christian Junge eine Studie hinzu, die auf seiner 2010 an der Universität Göttingen eingereichten Dissertation beruht. Zwei Hauptfragen standen dabei im Mittelpunkt: Erstens, ob die Mitglieder von CDU und SPD heute noch in der Lage sind, problemlos zu benennen, was die eigene Partei im Kern ausmacht und zweitens, welche Konsequenzen für die emotionalen Parteibindungen der Mitglieder und die innerparteiliche Partizipation entstehen, wenn sie die erste Frage nur unter Schwierigkeiten oder gar nicht mehr beantworten können (S. 15-16). Dazu hat Junge zwischen März und August 2007 je 15 Mitglieder von CDU und SPD interviewt. Sein Fazit: „ … in der Wahrnehmung beider Mitgliedergruppen … vollzieht sich … [eine] Annäherung der beiden Großparteien“ [und] „ … in konkreten Politikfeldern fällt es der Mitgliedschaft zunehmend schwer, markante Differenzlinien zu ziehen“ (S. 240, ähnlich auch S. 135). Einen Beleg für nachlassende innerparteiliche Aktivität, der sich ursächlich auf diesen Befund zurückführen lassen könnte, fand Junge aber nicht (S. 242). Weiterlesen
