Kategorienarchiv: Allgemein

“Ein Freund der Volksparteien” – Zum Tod von Gerd Langguth

Möglicherweise gehört das „Genre“ der „Nachrufe“ nicht zum üblichen Repertoire eines Blogs. In diesem Fall aber rechtfertigt die Person, um die wir trauern, die Ausnahme in besonderem Maße – erst Recht in einem Blog, der sich mit der Zukunft der Volksparteien befasst. Wir trauern – auch als Blogredaktion – um Gerd Langguth, um einen geistreichen, einen klugen und ebenso scharfsichtigen wie scharfzüngigen politischen Analytiker, um einen herausragenden Politikwissenschaftler.

Gerd Langguth war ein Freund der CDU, ein Freund der Arbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung und nicht zuletzt auch ein Freund der Volksparteien, allerdings ein kritischer, ein, wie Warnfried Dettling es formuliert hat, „rücksichtslos offener“ Freund. Ein Freund, von der Sorte, die man als Begleiter, als Wegweiser, aber auch als Querdenker viel dringender braucht, als nur den schmeichelnden Mitläufer.

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Parteien: Organisatoren der Politik

Parteien sind notwendig im Gefüge der Republik. Doch das Tempo der Welt geht an ihre Substanz.

Wer über Parteien redet, tut es gern mit leichtem Schaum vorm Mund. Schon die Berufsbezeichnung “Politiker” bekommt ja im Volksmund schnell einen verächtlichen Beiklang. “Berufspolitiker” ist nie nett gemeint, “Parteipolitiker” endgültig ein Schimpfwort. Es steht für einen, der sich angeblich nicht von Sachargumenten oder dem Gemeinwohl leiten lässt, sondern partikulare Interessen seines jeweiligen Vereins verfolgt, die entweder ideologisch verbohrt oder bloß auf Machtgewinn und -erhalt ausgerichtet, in jedem Fall aber verdächtig erscheinen.

Die Macht der Zahlen: Wählerpotenziale sorgen für Schlagzeilen

Wie man mit Zahlen Schlagzeilen produzieren kann, dürfte mittlerweile bekannt sein. Gerade jüngst geisterte wieder eines der Beispiele durch die Medienlandschaft. Laut Welt (8. April 2013) können sich 24 Prozent der Wahlberechtigten „prinzipiell“ vorstellen, bei der Bundestagswahl die AfD (Alternative für Deutschland) zu wählen, so die Tabellenüberschrift. 7 Prozent waren der Ansicht, sie könnten sich sicher vorstellen, die Partei zu wählen, weitere 17 Prozent antworteten mit einem entschiedenen „ja, vielleicht“ (also 24 Prozent insgesamt).

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Die kleinen Leute

Schon mehrfach haben wir in diesem Blog über die Selbstwahrnehmung der Menschen als „Kleine Leute“ berichtet. Wenn es stimmt, dass diese Gruppe einen großen Teil, ja den allergrößten Teil der Wahlberechtigten stellt, dann ist sie von allergrößter Bedeutung für die Volksparteien und erfordert ein genaueres Hinsehen.  Weiterlesen

Keine Chance!

Jauch-Plasberg-Maischberger-Will-Beckmann. Talkshows und politische Gesprächssendungen nahezu an jedem Abend in der Woche. Weil Öffentlichkeit, Medien und Rundfunkräte über das Gerede reden und debattieren, erreichen die Formate eine neue Dimension. Es ist eine Art Meta-Ebene des Polit-Talks entstanden. Besser macht das die Situation aber nicht. Die Diskussion verläuft im Kreis.

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Breiter gesellschaftlicher Wertekonsens

So banal es klingen mag, es ist doch nicht zu bestreiten: Volksparteien verdienen ihren Namen nur dann, wenn sie wissen, wie die Mehrheit der Menschen „tickt“.

Wir haben deshalb jüngst in einer Umfrage die Menschen gefragt, was sie mit bestimmten Begriffen verbinden. Sie konnten angeben, ob sie damit eher etwas Gutes oder eher etwas Schlechtes verbinden, oder ob sie mit dem Begriff nichts anfangen können. Wir wollten damit herausfinden, wie politische Begriffe wahrgenommen werden und ob sie in der Bevölkerung überhaupt verstanden werden. Für die Effizienz politischer Kommunikation ist die Beurteilung politischer Sprache von essentieller Bedeutung. Weiterlesen

Schlömer: “Was ist der Preis der CDU, damit ich übertrete?”

Anlässlich des XI. Bundesparteitags der Piratenpartei Deutschlands in Bochum stellte sich ihr Vorsitzender Bernd Schlömer im Interview unseren Fragen. (Das Interview wurde transkribiert und minimal sprachlich geglättet.)

KAS: Einen langen Tag haben Sie heute, glaube ich. Viele Gespräche.
 
Schlömer: Ja, es ist stressig, wenn man hin und herlaufen muss, dann gibt es Liveschaltungen, und dann dauert das, verzögert sich, dann muss man zwischendurch wieder anders bedienen. Und dann sind wieder andere Journalisiten böse und traurig. Traurig und böse ist keiner, aber das ist halt …. Ich kann keine Debatte verfolgen. Ich kenne kein Ergebnis. Ich bin da total doof. Aber na gut.
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Vorschläge für eine stärkere Einbindung der Mitglieder von Volksparteien

Für Mitgliederparteien – insbesondere die beiden Volksparteien CDU und SPD – wird es immer schwieriger, die Frage zu beantworten, warum man bei ihnen Mitglied werden sollte. Das liegt vor allem daran, dass der persönliche Nutzen einer Mitgliedschaft immer stärker hinterfragt wird und mittlerweile ein ganz entscheidender, wenn nicht gar der entscheidende Faktor für eine Parteimitgliedschaft geworden ist.  Die Ansprüche potenzieller Mitglieder sind im Laufe der Jahre deutlich gestiegen – auch durch das insgesamt in der Gesellschaft gestiegene Bildungsniveau sowie durch verändertes Freizeit- und Konsumverhalten innerhalb der Bevölkerung. Woraus kann der persönliche Nutzen also bestehen und was können die beiden großen Parteien ihren Mitgliedern bzw. potenziellen Mitgliedern entsprechendes bieten? Finanzielle Anreize, wie z.B. die derzeit in der Öffentlichkeit diskutierten Rabatte für Mitglieder von CDU, SPD und FDP bei privaten Krankenkassen, sind eine Möglichkeit. Allerdings lösen diese Anreize das Kernproblem nicht: die kaum oder nicht vorhandene Diskussionskultur in den großen Parteien. Außerdem besteht die Gefahr, mit derartigen Anreizen nicht die Mitglieder anzuziehen, die die Volksparteien in Zukunft brauchen. Weiterlesen

„Volksparteien können durchaus selbstbewusster auftreten“

sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold MdB, auf unserer heutigen Konferenz „Ausgleich und Verantwortung: Zur Bedeutung und Zukunft der Volksparteien in Deutschland“ vor etwa 170 Zuschauern im Auditorium und rund 300 Zuschauern im Livestream. Ungeachtet aller Nachwuchssorgen und Imageprobleme würden vor allem die Volksparteien wichtige Aufgaben übernehmen, die zur Berechenbarkeit, Stabilität und Leistungsfähigkeit der repräsentativen Demokratie unerlässlich sind. Das ginge auch mit 500.000 Mitgliedern pro Volkspartei. Keine andere Parteiformation sei gesellschaftlich über einen so langen Zeitraum so verankert wie die Volksparteien.

Pronold diskutierte mit seinem Kollegen Dr. Günter Krings MdB und den Parteienforschern Elmar Wiesendahl und Peter Lösche in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung über Stand und Zukunft der Volksparteien in Deutschland. Während die Politikprofessoren hinsichtlich der Perspektiven der Volksparteien grundsätzlicher etwas skeptischer eingestellt waren als die Praktiker, beurteilten diese Lage und Zukunft der Volksparteien zwar nicht rosig, verwiesen aber auf die durchaus vorhandenen Potentiale. Alte Stärke sei aber kein Garant für die Zukunft. Volksparteien müssten sich noch stärker für interessierte Bürgerinnen und Bürger öffnen, ihnen die wichtigen politischen Themen der Gegenwart und der Zukunft vorstellen, sie zum Mitdiskutieren und Mitmachen einladen und ihnen so dauerhaft die Möglichkeit geben, sich an politischen Entscheidungen zu beteiligen.  Weiterlesen

Volksparteien – Wo bleibt der kleine Mann?

Erkenntnisse aus einer qualitativen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, Teil III.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat als Test für weitere Umfragen eine qualitative Studie erstellt. Die dort Befragten haben ganz klare Vorstellungen davon, was sie sich von einer Volkspartei wünschen.

Ganz oben auf dem Wunschzettel stehen Bürgernähe und das Einsetzen für den „kleinen Mann“ und den „gesunden Mittelstand“. Hier sehen einige Befragte aktuell Defizite. Die Volksparteien würden keine Politik für die kleinen Leute betreiben, sondern für Banken und Wirtschaft. Als kleine Leute begreifen sich dabei nahezu alle Befragten, selbst die besser Verdienenden. Dies scheint ein Sammelbegriff zu sein, mit dem sich ein Großteil der Befragten identifizieren kann: „Mehr Bürgernähe zum kleinen Mann“; „Ja, dicht am Volk dran. ‚Volkspartei’ heißt, dass sie sich mit den Themen, die ich eben genannt hab, beschäftigt. Mit den Themen des kleinen Mannes, der Familien, der Menschen, um die es eigentlich geht in diesem Staat, und nicht um die Unternehmen und die Geldgeber und indirekten Mächte“.  Weiterlesen